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Regeln bedeuten Freiheit
Warum strukturierte Systeme nicht einengen, sondern echte Freiheit ermöglichen – und wie sie Teams in den Flow führen.

Struktur schafft Raum für Kreativität
Wenn ein Team weiß, was zu tun ist, wie es getan wird – und dass sich alle daran halten – entsteht eine Sicherheit, die produktiv macht. Stattdessen kann sich die volle Aufmerksamkeit auf das richten, was wirklich zählt: Qualität, Lösung, Wirkung. Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi beschrieb diesen Zustand als Flow: jenes tief fokussierte Arbeiten, in dem Anstrengung leicht erscheint, weil alles im Einklang läuft. Ein Zustand, der sich nur dort entfalten kann, wo Ziele klar, Feedback unmittelbar und Prozesse durchdacht sind.
Haltung: Regeln sind kein Korsett, sondern ein Versprechen
Wir bei FSE haben erlebt, wie mächtig ein gemeinsam entwickelter Rahmen sein kann. Gerade in Hochphasen – etwa beim Umbau unserer Organisation während der Corona-Zeit – war es verlockend, auf alte Gewohnheiten oder persönliche Präferenzen zurückzufallen. Aber: Ein Team ist kein Sammelsurium aus Einzelperformern. Produktivität entsteht nicht dort, wo jede:r „sein Ding“ macht, sondern wo ein System dafür sorgt, dass alle zur Höchstform auflaufen können.
Deshalb war unser Credo: Nicht das Individuum, sondern das System entscheidet über Performance. Die Einführung einheitlicher Abläufe – von strukturierten Standups bis zur gemeinsamen Roadmap – hat nicht nur unsere Effizienz gesteigert, sondern auch die Qualität unserer Arbeit spürbar verbessert. Der Produktivitätszuwachs von 259 % war keine Einzelleistung, sondern Ergebnis einer kollektiv getragenen Struktur.
Praxis: Vom Meeting-Marathon zur Punktlandung
Ein konkretes Beispiel: Unsere täglichen Standup-Meetings dauerten zu Beginn oft 45 Minuten – ohne klaren Ablauf, ohne Ergebnis. Durch Einführung einer festen Struktur, definierter Redezeiten und eines fokussierten Outputs reduzierte sich die Dauer auf acht Minuten – bei gleichzeitig deutlich höherer Qualität. Hochgerechnet auf das ganze Team war das ein immenser Produktivitätsgewinn.
Ein weiteres Learning: Die Harmonisierung von Lösungswegen über eine kollaborative Roadmap hat es ermöglicht, dass alle zu jedem Zeitpunkt andocken konnten – unabhängig von Position oder Erfahrung. Das stärkt nicht nur den Teamzusammenhalt, sondern macht uns als Organisation resilienter und schneller.
Relevanz für Energie & IT
Gerade in der Energiewirtschaft ist Anpassungsfähigkeit kein Luxus, sondern Überlebensbedingung. Regulatorische Änderungen, volatile Märkte und technologische Umbrüche verlangen schnelle, abgestimmte Reaktionen. Doch ohne ein belastbares System aus Regeln und Prozessen wird Agilität zur Anarchie. Für Führungskräfte heißt das: Wer strategische Klarheit behalten will, braucht ein System, das nicht auf starre Kontrolle setzt, sondern auf selbststeuernde Teams, die sich im Rahmen stabiler Strukturen frei entfalten können. Regeln sind dabei kein Widerspruch zur Kreativität – sie sind ihre Voraussetzung.
Fazit: Freiheit ist kein Zufallsprodukt
Was wir gelernt haben: Regeln engen nicht ein, sie befreien. Sie geben Halt, schaffen Vertrauen und ermöglichen Leistung. Wenn ein Team die Bedingungen kennt, unter denen es operiert, kann es wachsen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam etwas bewegen. Das Ergebnis sind nicht nur bessere Zahlen – sondern echte Freude an der Arbeit.
Oder, um es mit John Wooden zu sagen:
“It doesn’t matter who gets the credit. If we play together as a team, each player doing his job, we’ll like the results. We’ll all get the credit.”
Quellenverzeichnis
- Mihály Csíkszentmihályi, Flow – Das Geheimnis des Glücks
- Jeff Sutherland, SCRUM – The Art of Doing Twice the Work in Half the Time
- John Wooden, Wooden on Leadership
- John Wooden, Pyramide des Erfolgs